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Blutungen erkennen – aber wie?

Um Langzeitschäden zu vermeiden, ist es wichtig, dass eine Blutung schnellstmöglich erkannt wird. Nicht immer ist eine Blutung auf den ersten Blick sichtbar, wie beispielsweise bei inneren Blutungen

Blutungen können bei Verletzungen, aber auch spontan, d. h. ohne erkennbaren Grund, auftreten. Am häufigsten bluten Hämophilie-Patienten in Gelenke, Muskeln oder in die Haut. Gelenkblutungen (vor allem Knie-, Ellenbogen- und Sprunggelenk) kommen dabei mit etwa 80 % am häufigsten vor.

Im Folgenden klären wir über die häufigsten Blutungen und ihre Anzeichen auf.  

Gelenkblutungen 
Eine Gelenkeinblutung beginnt häufig mit einem Wärmegefühl. Dieses Gefühl wird auch als sog. „Aura“ bezeichnet. Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit und Anschwellen des Gelenks sind Folgen der Einblutung. Schnelles Handeln ist hier sehr wichtig, denn wiederholte Einblutungen können zu dauerhaften Gelenkschäden führen. Patienten sollten sich so schnell wie möglich ihr Faktorpräparat spritzen, um das Fortschreiten der Gelenkeinblutung zu vermeiden bzw. schnell zu stoppen, denn je weniger Blut ins Gelenk einsickert, desto geringer sind Schmerzen und Folgeschäden.

Blaue Flecken 
Blaue Flecken und Blutergüsse unter der Haut sind weitere typische Symptome der Hämophilie. Manche davon sind klein und unbedenklich und können einfach durch Auflegen eines Kühlbeutels gestoppt werden. Ruhe und die betroffene Extriminät hochlagern sind ebenso hilfreich. Bei größeren Einblutungen, die tastbar sind, reicht dieses Vorgehen nicht.Wenn ein Bluterguss sehr schmerzhaft ist, immer größer wird, die Beweglichkeit einschränkt oder sich an einer empfindlichen Stelle befindet, sollte zusätzlich ärztliche Hilfe zur Beurteilung in Anspruch genommen werden.

Muskelblutungen 
In der Regel werden Muskelblutungen durch Überlastung oder Prellungen ausgelöst, können jedoch auch ohne erkennbaren Grund, also spontan, auftreten. Auch diese Blutungsform ist sehr ernst zu nehmen. Manchmal ist sie schwer zu erkennen, weil sie innerhalb des Muskels stattfindet und daher nicht von außen zu sehen ist. Zu den üblichen Symptomen gehören Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit. Oft kommt es aber nicht zu einer offensichtlichen Schwellung, weil die Blutung sich im Muskel weit ausbreiten kann, bevor man ein Druckgefühl wahrnimmt. Ein direkter Vergleich der linken und rechten Gliedmaßen kann helfen, Muskelschwellungen zu erkennen. Besonders häufig von Muskelblutungen betroffen, sind die Unterarme, Oberarme und Waden. Blutungen können auch im Hüft-Lenden-Muskel auftreten und durch Druck zu Schädigungen der Nerven der Oberschenkelmuskulatur und damit zu Beweglichkeitsbeeinträchtigungen führen. Bei einer Muskeleinblutung kann der Druck auf die Blutgefäße auch dazu führen, dass der Muskel nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Verdächtige Symptome hierfür sind Schmerzen und Kribbeln in Fingern und Zehen.
 
Blutungen im Bereich der Harnwege 
Bei 66 bis 90 % aller Hämophilie-Patienten kommt es mindestens einmal im Leben zu Blutungen im Harnwegstrakt. Tritt rötlich-braun verfärbter Urin als Symptom auf, sollten Patienten daher unbedingt ihren Arzt kontaktieren, um andere Erkrankungen wie Harnwegsinfekte, Nierensteine oder bei älteren Patienten auch Tumore ausschließen zu können.

Blutungen im Mund 
Dadurch, dass die Mundschleimhaut generell sehr gut durchblutet ist, kann es relativ leicht und in jedem Alter zu Blutungen im Mund kommen. Bei Babys kann der Zahndurchbruch beim „Zahnen“ ein Auslöser sein. Für die Kleinen ist das Zahnen oft recht unangenehm und sie suchen sich Erleichterung, indem sie auf alles beißen, was in Reichweite ist. Das wiederum kann Zahnfleischbluten verursachen. Zu Mundblutungen kommt es außerdem, wenn sich das Kind z. B. durch einen Sturz auf die Zunge oder Lippen beißt oder das Lippenbändchen eingerissen ist. Bei den etwas älteren Kindern kann der Zahnwechsel zu Blutungen im Mund führen. Bei Erwachsenen mit Hämophilie ist bei Zahnbehandlungen mit verstärkten Blutungen im Mund zu rechnen. Wichtig ist, dass der behandelnde Zahnarzt über die Hämophilie-Erkrankung informiert ist und sich Patienten vor jeder zahnmedizinischen Behandlung mit ihrem Hämophilie-Behandlungsteam abstimmen. Gegebenenfalls muss man sich vor der Behandlung Gerinnungsfaktor spritzen.

Bedrohliche Blutungen 
Es gibt Körperstellen, an denen eine hämophiliebedingte Blutung besonders gefährlich ist: Kopfverletzungen, Verletzungen im Bauchraum oder im Bereich des Halses/Rachens sowie Verletzungen an empfindlichen Stellen (z. B. Gesicht, Händen, Stellen, an denen verstärkt Nervenbahnen verlaufen) können vor allem für Hämophilie-Patienten lebensbedrohlich sein.

Hier ist es wichtig keine Zeit zu verlieren und sich unverzüglich das Faktorpräparat zu spritzen, das Hämophilie-Behandlungszentrum zu verständigen bzw. schnellstmöglich eine Notaufnahme aufzusuchen oder auch den Notarzt zu rufen.