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Was ist Pharmakokinetik?

Der verabreichte Gerinnungsfaktor wird nach der Injektion im Körper abgebaut. Ein komplexer Vorgang, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich schnell ablaufen und die Therapieintervalle beeinflussen kann.

Die Pharmakokinetik (PK) befasst sich mit dem Verhalten eines Arzneimittels im menschlichen Körper. Im Falle der PK in der Hämophilie-Behandlung wird der Abbauprozess des verabreichten Gerinnungsfaktors betrachtet (wie schnell baut der Körper den Gerinnungsfaktor ab?). Die PK ist sehr individuell und unterscheidet sich von Person zu Person. Sie kann für jeden Patienten individuell gemessen und berechnet werden und ermöglicht eine auf den Patienten zugeschnittene Hämophilie-Behandlung. So können die Dosierung und die Injektionsintervalle entsprechend der PK angepasst werden, um einen ausreichenden Faktorspiegel aufrechtzuerhalten und den Patienten vor Blutungen zu schützen.  

 

Spitzenspiegel/Talspiegel 

Zwei entscheidende Parameter der Pharmakokinetik stellen der sogenannte Spitzen- und Talspiegel dar. Der Spitzenspiegel beschreibt die höchste Faktoraktivität, die nach der Injektion erreicht wird. Als Talspiegel wird die Restaktivität vor der nächsten Injektion bezeichnet. Der Talspiegel bei einer prophylaktischen Behandlung sollte möglichst immer über 1 % liegen, um den Patienten gerade noch vor Blutungen zu schützen. Für sportliche Aktivitäten (oder andere Tätigkeiten mit einem Verletzungsrisiko) ist es sinnvoll einen Zeitraum zu wählen, in der dem Faktorspiegel möglichst hoch ist. Die Injektionsintervalle und Dosierungen sollten dementsprechend auch auf den individuellen Lebensstil des Patienten angepasst sein. 

 

Recovery und Halbwertszeit 

Pharmakokinetik – Bedeutung von Tal- und Spitzenspiegeln in der Prophylaxe

Verantwortlich für den Spitzenspiegel ist die sogenannte Recovery (Wiederfindungsrate), die angibt, wie viel Faktor sich nach der Injektion tatsächlich im Körper „wiederfinden“ lässt. Die Recovery wird etwa 30 Minuten nach der Injektion gemessen. 

Um zu erfahren, wie lange es dauert, bis der kritische Talspiegel nach einer Faktorgabe erreicht ist und der Patient sich bei einer prophylaktischen Behandlung wieder spritzen muss, bestimmt man die sogenannte Halbwertszeit (HWZ). Die Halbwertszeit zeigt an, wie viel Zeit vergeht, bis nur noch die Hälfte des injizierten Faktors im Körper vorhanden ist. Sie liegt im Mittel bei Kindern bei 6-8 Stunden und bei Erwachsenen bis zu 12 Stunden.  Die Halbwertszeit steigt in der Regel mit dem Lebensalter an.  

Die HWZ der verfügbaren Faktorpräparate ist unterschiedlich. Zudem ist die Pharmakokinetik (der Abbauprozess des injizierten Gerinnungsfaktors) von Person zu Person anders. Man spricht von einer individuellen Halbwertszeit, deren Messung aufwändig, aber möglich ist. Der behandelnde Hämophilie-Experte kann hier über das gängige Messverfahren (bestehend aus mehreren Blutabnahmen) aufklären, es selbst durchführen – oder an ein spezialisiertes Zentrum verweisen. Je länger die individuelle Halbwertszeit, desto größer kann das Zeitintervall bis zur nächsten Spritze gewählt werden. Die HWZ eines Patienten kann sich im Laufe des Lebens und z. B. durch Blutungen stark verändern. Eine regelmäßige Bestimmung ist daher sinnvoll, um die Dosis und die Dosierungsintervalle individuell auf den Patienten anpassen zu können. letztendlich einen adäquaten Schutz vor Blutungen zu erreichen.